Stimmen

Nachdem bei Wolfgang Herrndorf ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert wurde, unterzog er seine schriftstellerische Arbeit einem rigorosen Auswahlverfahren. Alles, was seinen künstlerischen Ansprüchen nicht genügte, wurde vernichtet. Stimmen Übrig geblieben ist eine überschaubare Anzahl von Texten, die nun in dem Nachlassbändchen "Stimmen. Texte, die bleiben sollten" von Marcus Gärtner und Cornelius Reiber in Zusammenarbeit mit Herrndorfs Witwe herausgegeben wurden. Er enthält frühe Werke, die der Autor zu Lebzeiten im Internet, vornehmlich im Forum "Wir höflichen Paparazzi" veröffentlich hatte, und gliedert sich in fünf Teile. Der erste umfasst autobiografische Skizzen, der zweite Kurzgeschichten im Sound der Popliteratur der 1990er Jahren. Aus diesem Abschnitt erklärt sich auch der Titel des Bandes: Der Protagonist dieser Erzählungen heißt Stimmen. Die dritte Rubrik umfasst poetologische Gedanken, die nächste ein kurzes Drama mit philosophisch-theologischer Grundierung. Abgeschlossen wird das Büchlein mit Gedichten. Die nachgelassenen Texte zeigen in nuce die literarische Vielseitigkeit von Wolfgang Herrndorf und lassen sein großes Entwicklungspotential erahnen, dessen Entfaltung durch einen frühen Tod verhindert wurde. Empfehlenswert nicht nur für Herrndorf-Fans, sondern für alle, die an den vielfältigen literarischen Strömungen des frühen 21. Jh. interessiert sind.

Antonie Magen

Antonie Magen

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Stimmen

Stimmen

Wolfgang Herrndorf
Rowohlt (2018)

191 S.
fest geb.

MedienNr.: 895700
ISBN 978-3-7371-0057-1
9783737100571
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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