Hegel, Hölderlin, Schelling

Das Tübinger Stift hat als Studienhaus der evangelischen Kirche viele Geistesgrößen hervorgebracht. Zu diesen gehören die fast gleichaltrigen Philosophen Hegel und Schelling sowie der Dichter Hölderlin. Sie hatten als Studierende Hegel, Hölderlin, Schelling einen Freundschaftsbund geschlossen, der Erich Witschke als Aufhänger für eine Beschreibung des Lebens dieser Genies dient. Der Autor hat selbst in Tübingen evangelische Theologie studiert und sich intensiv mit dem Thema Kunst und Religion beschäftigt. Den meisten Raum in diesem Buch und auch die stärkste Sympathie erfährt Friedrich Hölderlin, der schwierige Sohn, der empfindliche und etwas exaltierte Mitmensch und der Schöpfer klangvoller, bildkräftiger Dichtung, die bis heute fasziniert, obgleich sie oft als nicht leicht zugänglich empfunden wird. Hegel und Schelling werden zwar mit ihren philosophischen Leitsätzen vorgestellt, doch gehört das Interesse des Autors der Art, wie sie ihr Leben führen und wie sich der Freundschaftsbund der beiden und besonders mit Hölderlin entwickelt und schließlich erlischt. In Alltagsszenen, die u.a. auf Stellen in Briefen zurückgreifen, treten die drei anschaulich vor das Auge des Lesers. Hegel erscheint dabei als etwas kleinbürgerlich und engherzig, Schelling dagegen als eher weltmännisch. Ausschnitte aus dem Leben der drei reihen sich aneinander wie ein bunter Bilderbogen. Nur gegen Ende des Buches referiert Witschke den Schicksalsverlauf der Hauptpersonen, fehlt die szenische Umsetzung. Die Darstellung ist unterhaltsam; eine Zeittafel wäre für diese "Erzählung" von der Freundschaft dreier Genies eine willkommene Ergänzung.

Bernhard Grabmeyer

Bernhard Grabmeyer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Hegel, Hölderlin, Schelling

Hegel, Hölderlin, Schelling

Erich Witschke
Klöpfer, Narr (2019)

422 S.
fest geb.

MedienNr.: 946077
ISBN 978-3-7496-1010-5
9783749610105
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL, Ph
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