Galilei, Darwin, die Kirche und ich

Am Anfang waren das Wort und der "Urknall" (vor etwa 13,8 Milliarden Jahren); Gott schuf Adam aus dem Staub der Erde und der Mensch ist aus dem Prozess der Evolution hervorgegangen. - Haben Sie bei den beiden "Und" gestutzt? Biblische Galilei, Darwin, die Kirche und ich (oder religiöse) und naturwissenschaftliche Zugänge zur Entstehung unseres Universums und zur Menschheitsgeschichte stehen nur selten gleichberechtigt nebeneinander. Vorherrschend ist eher der Eindruck, dass Glaube und (Natur-) Wissenschaft unvereinbar sind. Doch handelt es sich dabei um ein hartnäckiges Vorurteil, das Theologen, sogar Päpste, immer wieder aus der Welt zu schaffen versuchen. - Zu ihnen gehört Joanna Maria Otto, die Autorin von "Galilei, Darwin, die Kirche und ich", die heute als Lehrerin für Biologie und Physik arbeitet, in Neurobiologie promoviert hat und einige Jahre dem Orden der Dominikanerinnen angehörte. In diesem Buch schildert sie ihre Auseinandersetzung mit diesem Themenkomplex. Dabei hält sie ihre Aussagen bewusst subjektiv, weil sie zu der Überzeugung gelangt ist, dass sowohl die Glaubensaussagen als auch die Hypothesen der Naturwissenschaften ein mehr oder weniger großes Maß an persönlicher Zustimmung voraussetzen. - Sie beginnt mit einigen Klärungen zur Frage, was denn nun eigentlich Glauben bedeutet und wie die Bibel und die Dogmen zu verstehen sind. Anschließend setzt sie sich eingehend mit Galileo Galilei auseinander, dessen Fall den Zerfall der früheren Einheit von Glauben und Wissenschaft einleitete. - Im Kapitel zu Evolution und Schöpfung macht sie mit einem philosophischen Zugriff deutlich, dass bei diesem Thema oft unterschiedliche Ebenen vermischt werden: die materielle, durch naturwissenschaftliche Methoden zugängliche und die geistige, auf der man mit einer naturwissenschaftlichen Beweisführung nicht weit kommt. Diese Ebenen stehen natürlich miteinander in Beziehung, dennoch muss man sie auseinanderhalten. Joanna M. Otto betont deshalb, dass der christliche Schöpfungsglaube sich nicht mit der materiellen Entstehung des Universums befasse, sondern mit den Fragen, woher wir kommen, wohin wir gehen und wozu wir da sind. "Es geht um die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen, der in der Lage ist, nach seiner Zukunft zu suchen und zu fragen." Das ist auch der Schlüssel zu den beiden eingangs verwendeten "Und". - Die Autorin lässt es nicht mit einem Referat ihrer Einsichten zur Vereinbarkeit von Wissenschaft und Glaube bewenden. Sie beschreibt darüber hinaus, wie auch der moderne, naturwissenschaftlich denkende, religiös eher skeptische Mensch an die Existenz Gottes glauben kann. Gott lasse sich nicht mit den äußeren Sinnen erfassen und "mathematisch korrekt beweisen, aber Gott lässt sich in der Seele und vor allem in der Liebe erkennen." Das fällt niemandem in den Schoß, wie Frau Otto am eigenen Leib erfahren hat. Daher wünscht sie allen, die nach Gott suchen, die Ausdauer eines Jakob, von dem im Alten Testament erzählt wird, er habe eine ganze Nacht mit Gott gerungen (Genesis 32, 23 - 33). - Der Glaube ist ein Abenteuer, auf das man sich auch als Christ immer wieder neu einlassen muss. Das Buch ist ein guter Anlass dazu.

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Galilei, Darwin, die Kirche und ich

Galilei, Darwin, die Kirche und ich

Joanna Maria Otto
paulinus (2020)

140 Seiten
kt.

MedienNr.: 961328
ISBN 978-3-7902-1740-7
9783790217407
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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Auszeichnung: Religiöses Buch des Monats