Der souveräne Leser

Die Bücher von Alan Bennett gehören seit vielen Jahren zu den Bestsellern in England und auch in Deutschland. Besonders sein Buch "Die souveräne Leserin" (BP 08/573) mit einer ironischen Anspielung auf die Lektüren von Der souveräne Leser Queen Elisabeth, war ein riesiger Bucherfolg. Das (im deutschsprachigen Raum) neue Buch des Autors knüpft schon im Titel an diesen Erfolg an. Der Autor, inzwischen schon über achtzig Jahre alt, hat seit seiner frühen Entdeckung von Buchstaben, Wörtern und Sätzen eine ganz große Leidenschaft gehabt: das Lesen. Und später kam dann das Schreiben eigener Bücher, Drehbücher und Theaterstücke hinzu. Eine kleine Auswahl von seinen Gedanken beim Lesen und seine geliebten oder gehassten Autoren ist in diesem ästhetisch sehr sorgfältig gemachten Band versammelt. "Beim Lesen von Büchern wurde mir allmählich klar, dass ich offenbar eine nicht sonderlich zufriedenstellende Version der Gattung 'Junge' war." In diesen stark autobiographisch gefärbten Texten spürt man etwas von einer Zeit, in der das Buch noch eine fast sakrale, auf jeden Fall überragende Rolle im Leben der 'gebildeten englischen Kreise' besaß. Wer sich allerdings nicht besonders gut in der englischen Literatur auskennt, wird bei einigen der Essays und Tagebuchaufzeichnungen etwas gelangweilt. Man wird dann aber getröstet mit der verrückten Leidenschaft des Autors für Franz Kafka, den er von allem philologischen Staub befreit auf die Ebene eines Autors herunterholt, mit dem man auch einmal in ein Pub gehen möchte.

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der souveräne Leser

Der souveräne Leser

Alan Bennett ; aus dem Englischen von Ingo Herzke
Verlag Klaus Wagenbach (2020)

138 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 953656
ISBN 978-3-8031-1349-8
9783803113498
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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