Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

Die erste außergewöhnliche Wendung seines Lebens verdankt Alex einem Meteoriten, der den damals Zehnjährigen am Kopf trifft und in ein zweiwöchiges Koma versetzt. Alex leidet in der Folge dieses Unfalls an epileptischen Anfällen und kann für Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat längere Zeit nicht die Schule besuchen. Leidenschaftlich beschäftigt er sich in seiner häuslichen Abgeschiedenheit mit Kosmologie, auch auf dem Gebiet der Neurologie wird er zum Experten in eigener Sache. In der Schule von Mitschülern gemobbt, flüchtet Alex eines Tages in einen fremden Garten - und findet dort in Mr. Peterson einen Geistesverwandten. Die beiden freunden sich an. Sie teilen die literarische Vorliebe für die Bücher des Schriftstellers Kurt Vonnegut, hören klassische Musik und sind sich darüber einig, dass es keinen Gott gibt, der mit dem Universum einen Plan hätte. Als bei Mr. Peterson ein Nervenleiden festgestellt wird, das in absehbarer Zeit zum Tod führen wird, versucht er mit Tabletten seinem Leben ein Ende zu setzen, doch Alex findet ihn gerade noch rechtzeitig. Als der Junge dann von der unaufhaltsamen Erkrankung erfährt, schließt er mit seinem Freund einen Pakt: Dieser solle so lange am Leben bleiben, wie es ihm lebenswert erscheint, dann werde er ihm bei einem geplanten Suizid beistehen und für den dafür notwendigen Transport in die Schweiz sorgen. Ein Jahr verbringen die beiden noch miteinander. Alex hilft seinem Freund, wo immer er kann - selbst bei der Pflege der geliebten Haschisch-Plantage. Gleichzeitig verlieren sie die Vorbereitungen für die finale Reise in die Schweiz nicht aus den Augen. Ausführlich widmet der Autor den letzten Teil des Buches dieser Unternehmung: von der abenteuerlichen Flucht aus einem Krankenhaus über die notwendigen Vorgespräche, die Ausflüge zur Überbrückung der vorgeschriebenen Wartezeiten bis zu Mr. Petersons Tod und Alex' Rückreise nach England mit der Urne auf dem Beifahrersitz. - Der erst 32-jährige Autor liefert mit seinem Debütroman ein recht unhinterfragtes Plädoyer für aktive Sterbehilfe und allenthalben erschallt begeistertes Lob über die "Warmherzigkeit " dieses Buches. Ist der gesellschaftliche Konsens über die Frage des sog. "selbstbestimmten Sterbens" schon so weit gediehen, dass weit und breit keine Einwände erhoben werden gegen die Auflösung eines solch existentiellen Konfliktes in reines Wohlgefallen, wie der Roman sie anbietet? Es gibt keine positive Figur, die Alternativen benennt oder ernsthafte Zweifel anmeldet. Natürlich hat ein Autor das Recht, seiner Haltung in seinem Sinne Nachdruck zu verleihen, zumal es sich ja nicht um ein Sachbuch handelt. Aber dieser Titel fordert uns Leserinnen und Leser heraus, Stellung zu beziehen: Was können wir, was kann die Gesellschaft tun, damit ein Leben unter allen Umständen bis zu seinem Ende ein "lebenswertes" bleibt? Scheint Sterben "in Würde" nur möglich, wenn es "selbstbestimmt" geschieht, bevor ein unheilbares Leiden in allen Konsequenzen zu Tage tritt? Viele Fragen, die sicher nicht einfach zu beantworten sind. Wenn der Roman zu einer Debatte über diese Fragen beiträgt, könnte man ihm etwas Positives abgewinnen. Ein unkritisches Hinnehmen seiner suggestiven Botschaft kann man aber keinesfalls gutheißen. (Übers.: Alexandra Ernst)

Emily Greschner

Emily Greschner

rezensiert für den Borromäusverein.

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

Das unerhörte Leben des Alex Woods oder warum das Universum keinen Plan hat

Gavin Extence
Limes (2014)

477 S.
fest geb.

MedienNr.: 395182
ISBN 978-3-8090-2633-4
9783809026334
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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