Haus der Stummen

Der Ich-Erzähler Luke ist auf der Suche nach der Natur der menschlichen Seele und den Wurzeln der Sprache. Nach dem Tod seiner dominanten Mutter beginnt der Sonderling in seinem einsamen Haus im ländlichen England Ideen und Theorien Haus der Stummen über den Sitz der Seele und den Zusammenhang von Seele und Sprache in Experimenten an lebenden Menschen zu überprüfen. Dass er früh Tiere sezierte und nun mit Menschen experimentiert, betrachtet er als Ausdruck seiner wissenschaftlichen Neugier und seines nüchternen Verstandes. Er nimmt eine junge Obdachlose bei sich auf und schwängert sie. Sie bringt Zwillinge zur Welt und stirbt bei der Geburt. Luke isoliert die Babies in einem Kellerraum, fern vom Klang jeder menschlichen Stimme, und beobachtet ihr Verhalten. Die Kinder scheinen sich irgendwann durch eine Art Gesang zu verständigen, und Luke will prüfen, ob es sich dabei wirklich um Kommunikation handelt. So entschließt er sich, die Stimmbänder der Kinder zu durchtrennen. Dennoch muss er sich eingestehen, dass das Experiment gescheitert ist. - Burnside, dessen erster Roman hier endlich übersetzt vorliegt, greift ein altes Thema auf: die Frage, ob Sprache angeboren ist oder erlernt wird. Er lässt einen psychopathischen Protagonisten seine Experimente in wissenschaftlichem Ton mit kühler Rationalität vortragen; der Leser wird in die Gedankenwelt eines Monsters hineingezogen, das von den mysteriösen Schönheiten schwärmen kann, die sein Skalpell freilegt, und dabei immer auf die Ordnung seiner blutigen Rituale achtet. Das macht die Lektüre für den Leser besonders verstörend. Eine Horrorgeschichte, die aufgrund ihrer magischen Sprache den Leser gegen seinen Willen in Bann zieht. (Übers.: Bernhard Robben)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Haus der Stummen

Haus der Stummen

John Burnside
Knaus (2014)

250 S.
fest geb.

MedienNr.: 408231
ISBN 978-3-8135-0612-9
9783813506129
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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