Keine Kunst

Eine Kunst, die keine Sprachkraft erfordert, sondern Geschicklichkeit, ist das Fußballspiel. Und es ist dieses Spiel, dem der Ich-Erzähler seine Sprachkraft schenkt. Die Welt rund um den Fußball - niemand nimmt so leidenschaftlich Keine Kunst an ihr Anteil wie die Mutter des Erzählers. Über diese Welt zu schreiben, so meint sie ihrem Sohn gegenüber, sei "keine Kunst". Diese Welt geht aber weit über das Fußballspiel hinaus: Eine Geschichte Ungarns vom Jahr der Weltwirtschaftskrise 1929 bis in die Gegenwart nach der Wende umspannt die Welt der Mutter, und ihr entsprechend die Kunst des Erzählers. Der Leidenschaft der Mutter für das Fußballspiel, das in diesem Erzählen einen beinahe metaphysischen Rang erhält, entspricht eine Leidenschaft des Autors, diese Welt zu beschreiben, ja eigentlich aufzubewahren in der Sprache. Ein Erzählen ohne Punkt und Komma, Bohumil Hrabal überbietend, konzentriert und zugleich sich treiben lassend, assoziativ, traumhaft, realistisch, hintergründig, ironisch und empfindsam und vor allem der Wahrhaftigkeit in der Sache und in der Sprache verpflichtet, zieht den Leser in seinen Bann. Die Leistung der Übersetzerin Terézia Mora wird nur angemessen würdigen können, wer beider Sprachen mächtig ist. Ein Glanz dieser Sprachkunst geht auch auf die deutsche Sprache über - für Liebhaber sprachlichen Virtuosentums eine Genuss und zugleich eine Zumutung.

Hans Unterreitmeier

Hans Unterreitmeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Keine Kunst

Keine Kunst

Péter Esterházy
Berlin-Verl. (2009)

252 S.
fest geb.

MedienNr.: 306818
ISBN 978-3-8270-0815-2
9783827008152
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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