Ein englischer Winter

Im eisigen Winter 1978/79 lebt die 20-jährige Candice als Fahrradkurierin in London. Eigentlich will sie Schauspielerin werden und so probt sie abends mit einer reinen Frauenschauspieltruppe Richard III. von Shakespeare. Candice versucht, Ein englischer Winter dem enttäuschten und ausgebeuteten Leben der Arbeiterklasse zu entkommen, das ihr trinkender, zur Gewalt neigender Vater und ihre Mutter führen. Gerade gekündigt und völlig am Ende ist auch der Pianist Jones, als Candice ihm zum ersten Mal begegnet und es zwischen ihnen knistert. Zur gleichen Zeit versinkt London im Chaos. Die Gewerkschaften rufen zum Streik auf, die Müllberge werden immer höher, der öffentliche Verkehr steht still. Die Stimmung in Großbritannien kippt gegen die aktuelle Regierung der Labour Partei. Währenddessen nimmt die Krämertochter Margaret Thatcher bei der Royal Shakespeare Company Sprachunterricht und bereitet sich auf ihren Auftritt auf der politischen Bühne vor. - Dieser Roman spiegelt in kurzen Kapiteln die Atmosphäre dieses Winters und den Geist des gesellschaftlichen Umbruchs. Am Anfang jeden Kapitels steht als kultureller Ausdruck der Unzufriedenheit ein Songtitel aus dem Punk. Immer wieder zieht Candice Parallelen zwischen der Realität und Richard III., was den Roman auch zu einem sozialpolitischen, kritischen Buch macht, wobei es so glänzend geschrieben ist, dass es immer unterhaltsam bleibt. - Sehr gerne empfohlen!

Nicole Lorrig

Nicole Lorrig

rezensiert für den Borromäusverein.

Ein englischer Winter

Ein englischer Winter

Thomas Reverdy ; aus dem Französischen von Brigitte Große
Berlin Verlag (2021)

207 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 603493
ISBN 978-3-8270-1409-2
9783827014092
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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