Der Wahrheit verpflichtet

Die Autobiografie der neuen US-amerikanischen Vizepräsidentin folgt gängigen Mustern bei der Erzählung des eigenen Lebens. Ihre Wegmarken beschreibt Frau Harris weitgehend sequentiell, die wenigen Querverweise und Rücksprünge Der Wahrheit verpflichtet sind gut platziert. Die gelungene Übersetzung des Originals aus dem Jahr 2019 wendet sich in erster Linie an US-amerikanische Leser - und damit potentielle Wähler, was den für europäische Lesegewohnheiten überwiegend vertraut-sentimentalen Grundton erklären mag. Die Autorin flicht eine Vielzahl von Details, Personen und Stationen ein; ein Zehntel des Buches nehmen Anmerkungen sowie das Personenregister ein. Autobiografien von Politikern sind für gewöhnlich eine Mischung aus Selbstbild, weltanschaulichem Manifest und Rechtfertigung. Das Buch von Kamala Harris bildet hier keine Ausnahme. Positiv ist anzumerken, dass die Autorin große strukturelle Probleme der US-Gesellschaft klar benennt, wie beispielsweise das Gesundheitswesen, den Opioide-Missbrauch, das überlastete Justizwesen oder die illegale Einwanderung. Überzeugende Lösungsansätze kann auch Frau Harris nicht präsentieren. Wer all dies einzuordnen vermag, erfährt dennoch etwas über das Naturell einer charismatischen Politikerin. Das Buch eignet sich für jeden Bestand.

Werner Wagner

Werner Wagner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Der Wahrheit verpflichtet

Der Wahrheit verpflichtet

Kamala Harris ; aus dem Englischen von Jürgen Neubauer
Siedler (2021)

333, [32] Seiten : Illustrationen (überwiegend farbig)
fest geb.

MedienNr.: 977222
ISBN 978-3-8275-0153-0
9783827501530
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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