Der Nussknacker

Ein Nussknacker geschnitzt 1900 im Oberammergau nimmt seine Leser mit auf seine Reise durch ein Jahrhundert. Dabei wechselt er ständig den Besitzer, meist Kinder oder Jugendliche, deren Schicksal sich mit wichtigen Ereignissen der Der Nussknacker Geschichte verbindet. So erlebt der Leser "hautnah" den Untergang der Titanic mit, nimmt am Weihnachtsfrieden des Ersten Weltkriegs teil, der Zweite Weltkrieg und die Teilung Deutschlands sind ebenso Stationen wie die Hausbesetzungen der Achtzigerjahre, Fall der Berliner Mauer, die RAF, der Krieg im ehemaligen Jugoslawien oder die Tragödie von Kolumbine. Am Ende schließt sich der Kreis, er trifft seinen ersten Besitzer, Wilhelm des Schnitzers Sohn, wieder. - Zwar greift der Autor immer mal wieder lose Handlungsfäden auf, in der Regel erfährt man jedoch nichts mehr über das weitere Schicksal der Nussknacker-Besitzer und bleibt unbefriedigt zurück. Dazu sind die Episoden unterschiedlich lang, so wird den Waisenkindern Fred und Karl, die vom Ruhrgebiet mit dem Fahrrad nach Bern zum Weltmeisterschaftsendspiel fahren, weitaus mehr Raum gegeben als m.E. nötig, andere Geschichten werden dagegen nur angerissen, wirken lieblos, unfertig. Zudem gelingt es nur teilweise, das geschichtliche Ereignis packend mit dem Schicksal des jeweiligen Besitzers zu verknüpfen. Historisches wird oft nur angerissen, so dass geschichtliches Vorwissen gefragt ist. Ohne die Intention der Geschichtsvermittlung können die einzelnen Episoden aber nicht überzeugen. Auch die Sprache bewegt sich nur auf durchschnittlichem Niveau. Daher nur bedingt empfohlen.

Ann Christine Schröer

Ann Christine Schröer

rezensiert für den Borromäusverein.

Der Nussknacker

Der Nussknacker

Sobo
Baumhaus (2011)

796 S.
fest geb.

MedienNr.: 350526
ISBN 978-3-8339-0047-1
9783833900471
ca. 14,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: J
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