Lebensnebel

Eine Psychotherapeutin erkrankt an Depressionen, eine Krankheit, die sie sonst bei ihren Patienten behandelt. Sie beschreibt dieses Abstürzen in den "Lebensnebel", wie sie es nennt, so bestürzend, dass man als Leser anfängt, Lebensnebel mit ihr mitzufühlen. Sie beschreibt ihre Hilflosigkeit und Verzweiflung und diese Unfähigkeit, die Ursache oder aber auch einen Sinn dafür zu finden. Als "Macherin" hat sie zum großen Teil durch ihre Leistung eigentlich eine gesellschaftliche und familiäre Situation und Stellung erreicht, zu der man landläufig sagen würde: "Sie hat es geschafft!" Lebendig beschreibt sie, wie sie - ohne eine Begründung dafür zu wissen - in einen Zustand gerät, der sie hilflos werden lässt und gegen den sie sich nicht wehren kann. Sie bekommt ihre Emotionen nicht mehr in den Griff und muss lernen, sie auszuhalten. Ganz entscheidend dabei ist es, fachliche Hilfe anzunehmen, was für sie mit ihren beruflichen Voraussetzungen eine völlig neue Erfahrung darstellt. Ein Klinikaufenthalt wird unumgänglich. Das Buch schafft es, einen Einblick in eine Krankheit zu bekommen, die man vor Jahren so noch nicht erkannt hat. Mittlerweile, auch angekurbelt durch Selbstmorde bekannter Persönlichkeiten, haben Depressionen einen höheren Bekanntheitsgrad und werden allgemein als Krankheit wahrgenommen. Aus Lesersicht ist eigentlich zu empfehlen, den zweiten Teil, in dem die Autorin ihre eigene Geschichte sehr lebendig erzählt, vor dem ersten, dem eher fachlichen Teil zu lesen.

Gerd Fleder

Gerd Fleder

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Lebensnebel

Lebensnebel

Nora-Marie Ellermeyer
Patmos-Verl. (2018)

176 S.
fest geb.

MedienNr.: 904204
ISBN 978-3-8436-1063-6
9783843610636
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Na
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