Zikade

Niemand arbeitet so viel wie die Zikade. Seit 17 Jahren ist sie in einer kargen Büronische mit der Eingabe von Daten beschäftigt, sie macht Überstunden und hält sich auch nachts, in Ermanglung eines Zuhauses, im Bürohaus auf. Zikade Gedankt wird ihr nicht, im Gegenteil, sie erfährt von den menschlichen Kollegen nur Ablehnung und Gewalt. Doch nach ihrem letzten Arbeitstag geschieht eine wundersame Verwandlung. - Eine graue Büroexistenz, ohne Privatleben, missachtet und gedemütigt - was der Zeichner uns in seinen fast monochromen Bildern vor Augen führt, ist die Verkörperung der modernen digitalen Arbeitswelt. Die Hauptfigur, ein Insekt, gehört zum niedersten Lebewesen, aber die Verachtung, die sie erfährt, resultiert auch aus der Ignoranz. Niemand weiß etwas von ihr, niemand will etwas wissen. Eindringlicher könnte kaum gezeigt werden, wie Ignoranz zur Ausgrenzung führt. In den kurzen Textblöcken gibt die Zikade selbst rudimentäre Erklärungen. Und doch: bei aller Tristesse wirkt in diesem Buch auch eine Magie, die nicht allein von der exotischen Figur ausgeht. Es sind die Bilder, die einen malerischen Sog entfalten und sich in einem rettenden, grandiosen Finale erfüllen.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Zikade

Zikade

Shaun Tan ; aus dem Englischen von Eike Schönfeld
Aladin (2019)

[40] Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 599576
ISBN 978-3-8489-0163-0
9783848901630
ca. 17,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 8
Systematik: KK
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