Träume ich, dass ich lebe?
In den von Karin Berger herausgegebenen Gesprächen mit Ceija Stojka vom Sommer 2004 werden, aus der Sicht des damals elfjährigen Mädchens, die Erlebnisse während ihres Aufenthalts im KZ Bergen-Belsen lebendig, ihr Überlebenskampf, aber auch die
Schwierigkeiten nach dem Holocaust, im normalen Alltag wieder Fuß zu fassen. Ceija Stojka, die aus einer Roma-Familie stammt, erzählt genau, äußerst plastisch und mit großer Offenheit über die Schrecken während der NS-Verfolgungszeit. Ihre Erzählungen - in einfacher, kindlicher Sprache - bewegen nicht nur durch Lebensnähe und Glaubhaftigkeit, sondern sie beeindrucken auch durch das Nicht-Ausgesprochene, das gerade dadurch präsent wird. Trotz ihrer Erfahrung ist das Erinnern frei von Hass und dem Wunsch nach Vergeltung. Gegen die den Roma teilweise entgegengebrachte Abneigung und Abweisung - auch nach Ende der NS-Gewaltherrschaft - setzt die Erzählerin ihre Freude über die wieder gewonnene Freiheit und lang entbehrte Alltagsdinge. - Empfehlenswert!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Träume ich, dass ich lebe?
Ceija Stoika
Picus-Verl. (2005)
120 S.
fest geb.