Das Gedächtnis der Steine

Der Journalist Fernando Pretotto arbeitet gerade an seinem Computer, als eine geheimnisvolle Botschaft auf dem Bildschirm aufblinkt. Als Urheber dieser Nachricht macht er Franco Coppe aus, der in den 60er Jahren im gleichen Haus wohnte. Das Gedächtnis der Steine Francos Eltern waren, wie Fernandos Eltern, Gastarbeiter, die aus einem italienischen Dorf in die Schweiz einwanderten, um dort ihr Glück zu suchen. Ihr Sohn Franco hatte jedoch noch keine Aufenthaltserlaubnis und wurde aus Angst vor der Fremdenpolizei in einem abgedunkelten Verschlag versteckt. Kurz bevor Francos Aufenthalt legalisiert wurde, zog Fernandos Familie um, der Kontakt brach ab. Fernando fragt sich, warum sich Franco nun meldet und was mit dessen Eltern geschehen ist. Seine Neugier wird immer größer. Durch seine beharrlichen Nachforschungen deckt er schließlich ein grausames Verbrechen auf. - Maurizio Pinarello setzt sich am Beispiel italienischer Gastarbeiter in der Schweiz mit dem Thema Migration auseinander. Die Gastarbeiter dieses Romans und alle zum Verlassen der Heimat Gezwungenen leiden unter dem Verlust ihrer Wurzeln und Angst vor der Zukunft. Dies kann in körperlichen und psychischen Krankheiten gipfeln, wie in diesem Buch an einem Extrembeispiel beschrieben. Unterstrichen wird die innere Zerrissenheit durch die häufigen und raschen Perspektivwechsel und die Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Sprache ist durch Aussparungen und dialektale Einschübe gekennzeichnet und verstärkt das Gehetztsein und die gleichzeitige Sprachlosigkeit getriebener Menschen. Empfehlenswert.

Birgit Fromme

Birgit Fromme

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Gedächtnis der Steine

Das Gedächtnis der Steine

Maurizio Pinarello
Ed. 8 (2008)

256 S.
fest geb.

MedienNr.: 558636
ISBN 978-3-85990-129-2
9783859901292
ca. 21,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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