Eine Nacht, ein Leben

Drei Jahre hat Henri auf das Wiedersehen mit seiner geliebten Youna gewartet. Es waren drei Jahre voller Qualen während seiner militärischen Ausbildung, die wegen der Aufstände Ende des 19. Jh. noch einmal verlängert worden war, Eine Nacht, ein Leben voller Sehnsucht nach seiner Geliebten und voller Unverständnis gegenüber ihrem eisernen Schweigen auf seine zahlreichen Briefe. Um herauszufinden, wie es um ihre einstige Liebe bestellt ist, fährt der Pariser Künstler Henri zur Insel B., um Youna wiederzufinden. Malerisch und eindrucksvoll wird die Landschaft der Insel durch die Perspektive Henris so beschrieben, wie es nur einer romantischen Künstlerseele möglich ist. Alles scheint auf den Wiederbeginn einer großen Liebe hinzudeuten, als Henri an Younas Tür klopft und sie, das Haar vom Wind zerzaust, endlich vor ihm steht. Doch dann folgt die Ernüchterung: Während Henri noch an ein gemeinsames Leben mit Youna glaubt, hat sie schon längst einen anderen Weg eingeschlagen. Henri ist fassungslos und versteht die Welt nicht mehr. Auf seinem Rundgang über die Insel trifft er unter anderem auf einen herzlichen Musiker, einen rastlosen Läufer und ein Stadtkind, das sich hier ebenso fremd fühlt, wie er. - Ein einfühlsamer Roman, der sich wie ein impressionistisches Bild aus den Gefühlen Henris und verschiedener Inselbewohner zusammensetzt. Ohne Kitsch oder Übertreibungen erzählt er von einer endenden Liebe und schafft damit einen realitätsnahen Gegenentwurf zu zahlreichen Happy-End-Geschichten. Sehr zu empfehlen. (Übers.: Valerie Schneider)

Clara Braun

Clara Braun

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Eine Nacht, ein Leben

Eine Nacht, ein Leben

Sophie van der Linden
Mare-Verl. (2018)

109 S.
fest geb.

MedienNr.: 594387
ISBN 978-3-86648-278-4
9783866482784
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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