Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman

Der äußerst umfangreiche, Mitte des 18. Jh. in England publizierte Roman "Tristram Shandy" von Lawrence Sterne zählt zu den frühen Vorläufern der experimentellen Literatur, in der Inhalt und Erzählweise gleichberechtigt neben einander stehen. Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman Weitschweifig stellt der Erzähler seine Lebensgeschichte dar, kommt aber kaum über seine Geburt hinaus, da er immer wieder seinen sich verästelnden Gedankenströmen und Assoziationen folgt, etwa der Nasenforschung als Steckenpferd seines Vaters und der Bedeutung von Steckenpferden insgesamt. Diese einen Durchschnittsleser kaum ansprechende Literatur hat Martin Rowson, Zeichner politischer Comics in englischen Zeitungen, in eine Graphic Novel umgesetzt. Die Handlung zerfasert wie die Romanvorlage schon auf den ersten Bildseiten. Ein oftmals überquellendes, in feinen Linien schwarzweiß getuschtes Panoptikum von realen und fantastisch anmutenden Menschen; Lebewesen und Gegenständen tritt auf. Skurrilität und Defragmentierung der Bilder nehmen im Verlauf der Geschichte noch zu, ehe die Erzählung dann ganz abbricht. Vielleicht werden Comicforscher diesen Band künftig als ein gelungenes Beispiel für die Vielfalt der Möglichkeiten dieses Mediums zweier Zeichensysteme loben. Allerdings wird allenfalls eine kleine Avantgarde der Leserschaft von Graphic Novels dieser Umsetzung etwas abgewinnen können. Nur für den Bestand sehr großer KÖB's denkbar.

Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

rezensiert für den Borromäusverein.

Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman

Leben und Ansichten von Tristam Shandy, Gentleman

Martin Rowson. Nach Laurence Sterne
Knesebeck (2011)

Graphic Novel
[o. P.] : überw. Ill.
fest geb.

MedienNr.: 570721
ISBN 978-3-86873-370-9
9783868733709
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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