Oberkampf

Der Mittvierziger Jonas Becker und seine Freundin Corinna betreiben in Berlin eine elitäre Agentur, die für Unternehmen besondere Fachleute, kluge Köpfe, vermittelt. Doch das Unternehmen ist am Ende und die Beziehung der beiden Oberkampf ist gescheitert. Jonas lässt alles zurück und reist nach Paris, wo er in einem bescheidenen Appartement haust und sein Leben als freier Schriftsteller verwirklichen will. Ein Verlag zahlt die Miete und er verbringt die Tage mit dem von ihm verehrten greisen österreichischen Dichter Richard Stein. Er lässt sich aus dessen Leben erzählen und aus den ganzen Notizen soll ein Buch entstehen. Becker hat auch bald eine neue Freundin, Christine. Die behagliche Atmosphäre in dem Milieu ändert sich aber mit dem Attentat auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in der unmittelbaren Umgebung. Die Stadt ist plötzlich im Ausnahmezustand. Becker wird auch von Stein vereinnahmt; dessen private Probleme werden auch seine. So kommt es zu einer Reise in die USA, wo Stein seinen Sohn suchen will, der zum Junkie verkommen ist. Und Becker muss sich auch entscheiden, wie es mit Christine weitergehen soll. - Die Figur Jonas Becker, auf Sinnsuche in einem neuen Leben als Autor, wirkt so nahbar und real, als ob man sie persönlich kennen würde. Auch die anderen Protagonisten, vor allem Stein, sind grandios gezeichnet. Der Autor ist ein scharfsinniger Beobachter von Menschen, Orten, Begebenheiten; seine Texte sind blendend formuliert. Ein überaus beeindruckender Roman, ein intensives, freudvolles Leseerlebnis. Für anspruchsvolles Lesepublikum bestens geeignet.

Erwin Wieser

Erwin Wieser

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Oberkampf

Oberkampf

Hilmar Klute
Galiani Berlin (2020)

312 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 602040
ISBN 978-3-86971-215-4
9783869712154
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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