Elternland

Jakob Fein, Besitzer eines Damenbekleidungsgeschäfts in Tel Aviv, beschließt eines Tages, nach Polen zu reisen, um den Heimatort seiner Eltern zu besichtigen, in dem diese den Holocaust überlebt haben. Sein Leben lang hat sich Jakob Elternland nicht für die Geschicke seiner Eltern interessiert, über die sie ohnehin nie geredet haben, doch nach ihrem Tod drängt es ihn, mehr über das frühere Leben seiner Eltern zu erfahren. Nicht nur bei seiner Frau und seinen Töchtern stößt er mit seinem Anliegen auf Unverständnis. In dem kleinen Dorf angekommen, nimmt er sich ein Zimmer bei einer Bäuerin, Magda, die allein mit ihrer Tochter lebt. In ihr findet er eine Zeugin, die als Kind viel Zeit bei seinen Großeltern verbracht hat und ihm von immer mehr und immer neuen Erinnerungen an seine Vorfahren berichtet. Sie erzählt, wie sie einst hier gelebt haben, was die Bewohner von ihnen dachten, und wie ein Bauer schließlich seine Eltern in der Zeit des Zweiten Weltkriegs für einen Wucherpreis versteckt gehalten hat. - Auf spannende, melancholisch erzählte Weise gelingt es Appelfeld, den Leser nicht nur wortgewandt am Leben der jüdischen Bürger eines polnischen Dorfes vor und während des Zweiten Weltkriegs teilhaben zu lassen, sondern er konfrontiert ihn ebenso mit den Vorurteilen, Schuldgefühlen und Ängsten, mit denen Juden gegenüber noch immer aufgetreten wird. Ein einfühlsames Buch, das ohne den Zeigefinger zu erheben das Problem Antisemitismus aufgreift und gerade deshalb so wirkungsvoll ist. (Übers.: Anne Birkenhauer)

Sonja Schmid

Sonja Schmid

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Elternland

Elternland

Aharon Appelfeld
Rowohlt (2007)

253 S.
fest geb.

MedienNr.: 269542
ISBN 978-3-87134-551-7
9783871345517
ca. 17,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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