Matthias Claudius

Kaum jemand mehr kennt den vor 200 Jahren verstorbenen Dichter des allerdings noch bekannten "Abendliedes" ("Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen ..."). In Literaturgeschichten wird er mit Begriffen Matthias Claudius wie schlichte Innigkeit, Einfachheit des Gemüts oder christlich-moralischer Erbauungsliteratur in Verbindung gebracht. Der Musikwissenschaftler Martin Geck, der das Leben mehrerer berühmter Komponisten beschrieben hat, holt den "Unzeitgemäßen" aus der Vergessenheit. Sein Werk wird in Beispielen vorgestellt und die Zeit dieses Dichters mit Text und Bild vergegenwärtigt. Geck bewahrt sich ein eigenständiges Urteil, scheut auch nicht vor einer kritischen Bemerkung. So entsteht ein mehrschichtiges Lebensbild des Haus- und Familienvaters voller Gottvertrauen, des Journalisten, eines Meinungsführers und Seelsorgers, eines Übersetzers esoterischer Literatur, aber vor allem eines Lyrikers, dessen Gedichte vielfach vertont wurden. Wohl wenig beachtet waren bisher die musikalischen Querverbindungen, die Geck aufzeigen kann. Unzeitgemäß und damit auch für uns heutige Leser interessant erscheint Geck dieser Autor, weil sein Spott nicht dem unaufgeklärten Volk gilt, sondern dem bornierten Wissen der Studierten. Dies allein ist schon Grund genug, die Lebensweisheit, den Humor und die unaufdringliche Ironie des Matthias Claudius neu zu entdecken. Dabei hilft ein umfangreicher Anhang mit Anmerkungen und zwei Registern.

Bernhard Grabmeyer

Bernhard Grabmeyer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Matthias Claudius

Matthias Claudius

Martin Geck
Siedler (2014)

319 S. : Ill., Noten
fest geb.

MedienNr.: 774278
ISBN 978-3-88680-986-8
9783886809868
ca. 24,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Mu
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