"Die Schatten der Vergangenheit sind noch lang"

Der in London lebende deutsch-jüdische Kultur-und Politikwissenschaftler David Ranan hat mit in Deutschland lebenden jungen Juden, der Enkelgeneration der Holocaust-Überlebenden, intensive Gespräche über ihr Befinden und über "Die Schatten der Vergangenheit sind noch lang" die Situation des Judentums in Deutschland geführt und diese nun in einer Auswahl als Monologe veröffentlicht. Obwohl die Befragten - gebildete junge Leute im Alter von 18 bis 41 Jahren - in ihren jeweiligen Familien durch unterschiedliche Erfahrungen (Schicksal der Großeltern, Gründe für deren Rückkehr ins Land der Täter) und Erlebnisse geprägt wurden, stimmen ihre Aussagen doch häufig überein. Insgesamt gesehen ist ihr Verhältnis zu Deutschland sehr zwiespältig: So fühlen sich z.B. alle sehr wohl im Lande, aber nicht als Deutsche; sie sehen hier ihre sehr geschätzte Bleibe, aber nicht ihre Heimat; sie fühlen sich zu Israel hingezogen, möchten aber auf Dauer nicht dort leben. Besonders interessant ist, dass beinahe für alle, obwohl sie sich nicht als religiös bezeichnen, die Riten und Traditionen des Judentums von großer Bedeutung sind, da sie Identität stiften und Zugehörigkeit vermitteln, was auch bei der Partnerwahl zum Tragen kommt, denn nur so ist die Weitergabe des kulturellen Erbes gewährleistet. In den z.T. sehr nachdenklichen Äußerungen ist die allgemeine Tendenz festzuhalten, dass sich keiner der Befragten in Deutschland bedroht sieht, da jüdisches Leben wieder zur Normalität geworden ist. - In jedem Fall sehr lesenswert!

Inge Hagen

Inge Hagen

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

"Die Schatten der Vergangenheit sind noch lang"

"Die Schatten der Vergangenheit sind noch lang"

David Ranan
Nicolai (2014)

255 S.
fest geb.

MedienNr.: 393355
ISBN 978-3-89479-797-3
9783894797973
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi, So
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