Corpus delicti

"Corpus Delicti", der dritte Roman von Juli Zeh, nach "Spieltrieb" (2004) und "Schilf" (2007), eine Umsetzung des gleichnamigen Theaterstücks, bleibt auch in der erzählenden Fassung dem Genre des Dramas Corpus delicti treu. Thema des Romans ist die Entseelung des Körpers durch einen Gesundheitsfanatismus, dem alles Leben untergeordnet wird. Die Profession der gelernten Juristin Zeh zeigt sich in der Wahl der Handlung: einem Schwurgerichts- Prozess, in dem die Angeklagte, Mia Holl, um das Recht und die Würde ihres Bruders Moritz kämpft, der sich durch Suizid dieser Gesundheits-Ideologie entzogen hat. Projiziert wird diese Handlung in die Mitte des 21. Jh. - Der Roman verwebt die Kritik am Körperkult der Gegenwart mit philosophischer Reflexion über das Verhältnis von Leib und Seele zu einer vielschichtigen Kriminalgeschichte, die die Konsequenzen des Wahns, dass dem Ziel der Gesundheit alle anderen Ziele des Lebens unterzuordnen seien, bis zum bitteren Ende durchspielt. Für Liebhaber spannender Krimis und philosophisch anspruchsvoller Diskussionen ist der Roman gleichermaßen empfehlenswert.

Hans Unterreitmeier

Hans Unterreitmeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Corpus delicti

Corpus delicti

Juli Zeh
Schöffling & Co. (2009)

263 S.
fest geb.

MedienNr.: 308705
ISBN 978-3-89561-434-7
9783895614347
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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