Abschied von der freudigen Erwartung

Der bekannte Medizinethiker weist darauf hin, dass die moderne Reproduktionsmedizin nicht nur neue therapeutische Möglichkeiten bei unerfülltem Kinderwunsch bereitstellt, sondern damit zugleich auch das gesellschaftliche Bewusstsein Abschied von der freudigen Erwartung massiv verändert: ein Kind wird nicht mehr wie früher als Geschenk verstanden, sondern als ein planbares Projekt. Und das trifft nicht nur die mit Hilfe technischer Möglichkeiten gezeugten Kinder, sondern alle ungeborenen Kinder: Damit das Projekt Kind möglichst "erfolgreich" gelingt, wird es schon zu Beginn strengen "Qualitätskriterien" unterzogen. Besteht es diese nicht, scheint eine Abtreibung fast schon die zwangsläufige Konsequenz. Damit ist heute der Geburt des Menschen die Selbstverständlichkeit abhandengekommen - wer geboren wird, hat bereits "überlebt", hat die vorgeburtliche Selektion überstanden. Der Mensch wird so zu einem Wesen gemacht, das seine Existenz der Entscheidung anderer Menschen über sein Lebensrecht verdankt. Giovanni Maio setzt diesem Zweckmäßigkeitsdenken eine Vorstellung vom "Kind als Gabe und Geheimnis" entgegen, die letztlich auch die Eltern nicht unter einen unmenschlichen Erfolgszwang setzt. Ein kleines, aber sehr tiefsinniges Buch zum Thema.

Gudrun Reißing

Gudrun Reißing

rezensiert für den Borromäusverein.

Abschied von der freudigen Erwartung

Abschied von der freudigen Erwartung

Giovanni Maio
Manuscriptum (2013)

Edition Sonderwege
144 S.
kt.

MedienNr.: 858682
ISBN 978-3-937801-93-3
9783937801933
ca. 9,80 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Na
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