Die Tagesordnung

Auf der "Tagesordnung" des Treffens von deutschen Unternehmern mit dem Führungspersonal der NSDAP Anfang 1933 steht keine konkrete Entscheidung. Man muss sich ja erst einmal persönlich kennenlernen und miteinander "warm Die Tagesordnung werden". Das vom Autor geschilderte Treffen ist historisch belegt, nur hat er es literarisch "ausgemalt" und verdichtet. Fußnoten findet man in dem Buch nicht, obwohl man sie vielleicht in einem Anhang gerne gesehen hätte. Hier werden den Lesern die Herren der Macht, ihre Umgangsformen, ihre versteckten gegenseitigen Bösartigkeiten und ihre persönlichen Unberechenbarkeiten präsentiert, die dann mit den Jahren des NS-Regimes ein ganzes Land und einen Kontinent in den Abgrund gezogen haben. Detailliert wird diese aggressive Eroberungspolitik der Nazis am Beispiel des Anschlusses von Österreich dargestellt. Glänzend beschreibt der Autor, wie die Massen in der österreichischen Provinz und in der Hauptstadt Wien den Einmarsch der Nazis bejubelt haben. Gleichzeitig erfahren wir aber, wie kläglich organisiert dieser Einzug des Führers tatsächlich war. Jenseits der großen Geschichte mit Pauken, Trompeten und Hakenkreuzfahnen gibt es noch eine kleine, lächerliche, den Führer zu Tobsuchtsanfällen aufreizende Geschichte. Man fragt sich nach der Lektüre dieses schmalen, in Frankreich mehrfach prämierten Bandes, wieso einer so mediokren Machtclique von Männern (Frauen kommen in dem Buch nur als Dekoration vor) von großen Teilen des deutschen Volkes so viel Vertrauen entgegengebracht werden konnte. Ein wirklich sehr lesenswerter kleiner Roman. (Übers.: Nicola Denis)

Carl Wilhelm Macke

Carl Wilhelm Macke

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Tagesordnung

Die Tagesordnung

Eric Vuillard
Matthes & Seitz Berlin (2018)

118 S.
fest geb.

MedienNr.: 883456
ISBN 978-3-95757-576-0
9783957575760
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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