Awelum

Awelum, ein altes sumerisches Wort, bedeutet: "voll berechtigter, freier Bürger". So sieht er sich, so denkt er und so spricht er auch. Sein Name ist Programm. Wie einst Cervantes in seinem großen Epos von Don Quichote, Awelum redet er seinen Leser immer wieder und unvermittelt mit "müßiger Leser" an, dem er atemlos berichtet. Awelum und sein Leser: das ist das Grundgerüst des ganzen Buches, alle weiteren Personen seines Umkreises treten auf und verschwinden wieder. Awelum, der unermüdliche Erzähler, braucht sie nur, um den "unentwegten Gedankenstrom" fließen zu lassen. Tschiladse ist dabei kein verklärender "Historienmaler", eher ein detailversessener Meister farbiger Miniaturen, am liebsten in fortlaufender Serie, die dann in der Folge doch ein Gesamtbild von hohem Rang ergeben. Man liest die 600 Seiten dieses Buches, das in einem Stil geschrieben ist, der an mittelalterliche Texte erinnert, mit zunehmender Betroffenheit. Zerstörungen und Revolutionen geschehen, Georgien und seine kulturellen Wurzeln und seine Eigenständigkeit bleiben. Verborgen in den vielen wohlgesetzten Worten dieses kaum mit einem anderen Buch vergleichbaren Werks verändert sich die große Welt bis hinein in die Kleinfamilie. Es ist ein großes Dokument einer turbulenten Zeit, ein Jahrhundertbuch, das einige Ansprüche an den Leser stellt, das man nach vollbrachter Lektüre tief befriedigt aus der Hand legt in dem Gefühl, dass man diesem seltsamen Land Georgien und seinen Menschen recht nahegekommen ist. (Übers.: Kristiane Lichtenfeld)

Armin Jetter

Armin Jetter

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Awelum

Awelum

Otar Tschiladse
Matthes & Seitz (2018)

602 S.
fest geb.

MedienNr.: 897739
ISBN 978-3-95757-637-8
9783957576378
ca. 30,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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