Die Welt ist immer noch schön

Fast 40 Jahre nach seinem Erscheinen liegt der Kurzroman des großen irischen Schriftstellers endlich auf Deutsch vor. Die Gewalt in Irland ist in den 1970 Jahren auf ihrem Höhepunkt angelangt. Einige Aktivisten der IRA, unter ihnen Die Welt ist immer noch schön die junge Lynam, die sich in der von machtgierigen Männern dominierten Bewegung durchgesetzt hat und auch vor Gewalt nicht zurückscheut, dringen in einen Landsitz einer Gutsbesitzerfamilie ein und nehmen die Familie und ihre Gäste als Geiseln. Drei wichtige Mitglieder der IRA sollen freigepresst werden. Eine lange Nacht hindurch sitzen Opfer und Täter in einem geschlossenen Salon zusammen. Ihre jeweiligen Überzeugungen beginnen zu bröckeln; sie sind sich nicht mehr sicher, woran sie glauben sollen. Spannungen entstehen unter den fünf Terroristen, aber auch bei den sechs Geiseln. In den frühen Morgenstunden eskaliert die Situation: Der eine gewaltbereite Aktivist tötet eine Geisel. Die schwangere junge Tochter des Hauses und ein amerikanischer Gast werden freigelassen. Der neue Tag bringt eine schwere Entscheidung. Dem Autor gelingt es großartig, die klaustrophobische Atmosphäre und die dramatische Zuspitzung darzustellen; zugleich beschreibt er eine Landschaft, die dem Drama der Menschen entspricht: schicksalsschwere Landschaftsräume, in denen die untergehende Sonne "den See in eine blutig klaffende Wunde" verwandelt. Ein kleines, hochaktuelles literarisches Meisterstück. (Übers.: Hans-Christian Oeser)

Ileana Beckmann

Ileana Beckmann

rezensiert für den Borromäusverein.

Die Welt ist immer noch schön

Die Welt ist immer noch schön

Eugene McCabe
Steidl (2015)

133 S.
fest geb.

MedienNr.: 583484
ISBN 978-3-9582904-8-8
9783958290488
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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