Die leblose Gesellschaft

Wir leben in einer Welt, "in der wir über hoch entwickelte geistige Fähigkeiten verfügen, Empathie und Menschlichkeit jedoch auf der Strecke bleiben." (S. 184) Das Schicksal von Flüchtlingen nehmen mittlerweile viele Die leblose Gesellschaft mitleidlos und/oder mit Angst zur Kenntnis: "Wenn ich die Situation (...) anschaue, habe ich den Eindruck, dass nicht Menschen vor unseren Türen stehen, sondern die Pest." (S. 51). Das Buch ist ein flammender Aufruf zum Handeln, einer Frau, die "verzweifelt" (S. 123), ja traumatisiert ist, weil sie als Flüchtlingshelferin das Sterben vieler der Menschen auf Lesbos unmittelbar miterleben musste. Es reicht der Verfasserin nicht, wenn wir sagen "Ja, sie hat recht, und anschließend wieder wegschauen." (S. 29) Aber sie begnügt sich auch nicht mit Anklagen und Appellen, sondern geht der psychologisch aufschlussreichen Frage nach, wieso manche Menschen mit Empathie, so viele andere mit Verdrängung, ja Hass reagieren. Auch die Hassenden und Skeptischen sind in ihren Augen Opfer, Opfer ihrer Angst. Sie erörtert die Verantwortung der Entscheidungsträger, diskutiert die Rolle der Medien und stellt Zusammenhänge her zu unserem auf Konkurrenz basierenden Gesellschaftsmodell und fordert die Bekämpfung der Fluchtursachen. - Ein klug analysierendes, aktuelles und aufrüttelndes Buch, dem man in allen Büchereien viele Leser wünscht.

Helmer Passon

Helmer Passon

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die leblose Gesellschaft

Die leblose Gesellschaft

Jeannette Hagen
Europa-Verl. (2016)

191 S.
kt.

MedienNr.: 586332
ISBN 978-3-95890-060-8
9783958900608
ca. 16,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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