Identikid

Das Leben der 25-jährigen Moa wird bestimmt von Panikattacken und der Furcht, immer stärker in eine Psychose zu gleiten. In dieser fast ausweglosen Situation erhält sie kaum Hilfe, ist doch ihr soziales Umfeld geprägt von Oberflächlichkeiten, Identikid Drogenkonsum und Lethargie. Einen Ausweg erhofft sich Moa von einer Tinderbekanntschaft, einem Mann, der vorgibt, ähnliche psychische Probleme erfahren zu haben und sie unterstützen zu wollen. Aber Moa erkennt, dass es noch andere Wege zu einem gelingenden Leben geben muss. Schonungsloser könnte solch ein Dasein kaum geschildert werden. Die Kompromisslosigkeit, mit der die junge Autorin dieser autobiografischen Graphic Novel ihre psychischen Nöte preisgibt, ist an vielen Stellen schockierend. Aber der zeichnerische Stil ist so originell und treffend, dass man sich dem Fluss der Story hingibt. Flache Figuren mit übergroßen Gliedmaßen, ein normiertes gerastertes Setting, dem die strengen Panels entsprechen, die reduzierte Farbpalette mit rauschhaften Blitzlichtern sind die Merkmale dieser ausgefeilten Ästhetik. In den Sprechblasen und Chat-Verläufen dominiert jugendliche Alltagsprache, die Trivialitäten zum Besten gibt. Selbst wer in dieser Jugendkultur nicht beheimatet ist, wird sich durch die Authentizität dieser literarischen und bildästhetischen Darstellung in den Sog des fremden Lebens hineinziehen lassen und ihre Qualität zu schätzen wissen.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Identikid

Identikid

Moa Romanova ; Übesetzung aus dem Schwedischen: Katharina Erben
avant-verlag (2020)

183 Seiten : farbig
kt.

MedienNr.: 600967
ISBN 978-3-96445-035-7
9783964450357
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ku
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