Königin der Berge

Robert Turin geht freiwillig mit Mitte 30 in ein Pflegeheim, weil er an Multipler Sklerose erkrankt und auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Seiner Frau will er die Pflege ersparen. Der einst erfolgreiche Informatiker ist und bleibt Königin der Berge ein Lebemann. Nicht genug damit, dass er es sich täglich im Café des Heims mit der einen oder anderen Flasche Wein gut gehen lässt, würde er gern jeder Krankenschwester, mit der er zu tun hat, an die Brüste greifen. Jeder Erfolg in dieser Hinsicht wird von seinem längst verstorbenen Kater kommentiert, mit dem er spricht und der sein Alter Ego als Gesunder darstellt. Doch nicht nur der Kater hat sich in Turins neues Leben eingeschlichen, er spricht auch von sich selbst nur noch in der 3. Person, weil er sich in dem gebrechlichen Heimbewohner nicht wiedererkennen mag. In seiner Psychologin findet er endlich den Menschen, der bereit ist, ihn in die Schweiz zu bringen, damit er aktive Sterbehilfe in Anspruch nehmen kann. - Aus der Perspektive des Protagonisten schreibt Wisser einen skurrilen, aber auch traurig stimmenden Roman. Wisser hat den Roman weitestgehend wie ein Theaterstück gestaltet, was zu einer stärkeren Unmittelbarkeit der Charaktere und ihrer Konflikte führt. Suizid als letzter Ausweg? Kann zu intensiven Diskussionen in Literaturkreisen führen.

Adelgundis Hovestadt

Adelgundis Hovestadt

rezensiert für den Borromäusverein.

Königin der Berge

Königin der Berge

Daniel Wisser
Jung und Jung (2018)

392 S.
fest geb.

MedienNr.: 594800
ISBN 978-3-99027-224-4
9783990272244
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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