Dummgeglotzt

Der Kulturjournalist Alexander Kissler hat sich intensiv die tägliche bundesdeutsche Fernsehlandschaft angeschaut. Leidenschaftlich seziert er den Müll, der sich trotz einer vermeintlichen Programmvielfalt im Wettstreit um Einschaltquoten Dummgeglotzt und Werbeeinnahmen über ein Millionenpublikum ergießt: Doku-Soaps und krawallige Diskussionsrunden, Casting-Shows und rührselige Heimatformate, Betroffenheitsduseleien, inhaltsleere Brennpunkte und inszeniertes Coaching für das Prekariat, kurzum künstliche Scheinwelten, weit entfernt von der gesellschaftlichen Realität. Seine minutiösen Beschreibungen rechnen nicht nur mit den einschlägigen Privatsendern ab, auch die gebührenfinanzierten Anstalten, allem voran das ZDF, sind längst dem Sog erlegen, immer mehr triviale Unterhaltung darzubieten. Tiefergehende Analysen, etwa zum Erfolg dieser Sendungen, unterbleiben dagegen weithin. Lesenswert für alle, die sich auf lockere, streckenweise sarkastische Weise die Augen öffnen lassen wollen für die Mechanismen der modernen Fernsehunterhaltung - und die wissen wollen, wie sehr die Orientierung an der Quote und dem vermeintlichen Massengeschmack auf Kosten der Qualität geht.

Siegfried Schmidt

Siegfried Schmidt

rezensiert für den Borromäusverein.

Dummgeglotzt

Dummgeglotzt

Alexander Kissler
Gütersloher Verl.-Haus (2009)

191 S. : Ill.
kt.

MedienNr.: 562843
ISBN 978-3-579-06886-2
9783579068862
ca. 16,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ha
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