"Worte können das ja kaum verständlich machen"

Hermann Samter wurde am 5.12.1909 geboren. Sein Vater war Gymnasiallehrer und sein Großvater Mathematikdozent in Berlin. Sie waren jüdischen Glaubens, lebten seit vielen Generationen in Deutschland und fühlten sich dem deutschen "Worte können das ja kaum verständlich machen" Bildungsbürgertum zugehörig. Sie waren stolz auf ihre humanistische Bildung. Samter wurde Journalist beim jüdischen Nachrichtenblatt; es ging ihm verhältnismäßig gut. Seine nächsten Angehörigen fliehen Ende der 30er Jahre ins Ausland. Er bleibt; er ist von Natur aus ein Optimist und immer voller Hoffnung auf ein gutes Ende. - Seine Briefe enthüllen zwar keine bisher unbekannten historischen Fakten, aber sie zeigen die Gefühlswelt der betroffenen Personen. Auch ihn, den Hoffnungsfrohen, holen die Tatsachen bald ein. Die Juden haben keine Bewegungsfreiheit mehr, dürfen keine öffentlichen Gebäude oder Parks besuchen, müssen von Hungerrationen leben und immer den gelben Stern tragen. Aber das Schlimmste ist, sie müssen mit ansehen, wie Freunde und Verwandte deportiert werden. Was mit ihnen geschieht, ahnen sie nur; denn niemals kommt Post, und die Nachrichten sind verwirrend. Er selbst glaubt bis zum Schluss nicht, dass die Deportation "in den Osten" einem Todesurteil gleichkommt. Am 7.2.1943 schreibt er seinen letzten Brief in "Freiheit". Danach wird er zusammen mit seiner Frau von der Gestapo abgeholt und seine Spuren verlieren sich. - Das Buch ist ein erschütterndes, historisches Dokument über eine Zeit in Deutschland, die nie wieder passieren darf, die man aber auf keinen Fall vergessen sollte. Dazu dient dieser schmale Band in hervorragender Weise.

"Worte können das ja kaum verständlich machen"

"Worte können das ja kaum verständlich machen"

Hermann Samter. Hrsg. von Daniel Fraenkel
Wallstein (2009)

112 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 311470
ISBN 978-3-8353-0470-3
9783835304703
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi
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