Die Schwestern von Marzahn

Marzahn-Hellersdorf ist einer der Bezirke Berlins, in dem die sozialen Probleme besonders groß sind: In Europas größter Plattenbausiedlung gibt es viele Menschen, die sich in einer prekären Lebenslage befinden. Die promovierte Die Schwestern von Marzahn Verhaltensforscherin hat dort mehrere Monate gelebt und sich in zahllosen Gesprächen mit den Bewohnern unterhalten: Arbeitslosen, Alteingesessenen, Migranten, kriminellen Jugendlichen; aber auch mit zwei Missionsärztlichen Ordensschwestern, die dort seit der Wende eine Beratungsstelle für Menschen in Not betreiben. Ihre Erfahrungen über das Schicksal dieser Menschen hat Tramitz in diesem Buch zusammengefasst. Es ist ein dokumentarischer Roman. Hauptfigur ist der arbeitslose, von seiner Frau verlassene Endfünfziger Fabian Krüger, der mehr schlecht als recht von der Stütze lebt. Eines Tages findet er in seinem Plattenbau zwei afrikanische Kinder vor, die dort offensichtlich ohne Eltern leben. Über ein ganzes Jahr kümmert er sich um die Mädchen, deren Mutter immer wieder im Krankenhaus ist, bis sie stirbt und die beiden Kleinen zurück nach Kamerun müssen. Tramitz beschreibt die einzelnen Schicksale und den mehr als grauen Alltag der hier Lebenden, die zumeist in unserer Gesellschaft ganz unten angekommen sind, so einfühlsam, detailreich und authentisch, dass man beim Lesen einen weitaus besseren Eindruck der sozialen und menschlichen Brisanz des Themas bekommt, als hätte man eine rein objektive soziologische Studie vor sich. Dieses Buch macht nachdenklich, ja bestürzt - und das ist gut so! - Für alle Bestände sehr zu empfehlen.

Günter Bielemeier

Günter Bielemeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Schwestern von Marzahn

Die Schwestern von Marzahn

Christiane Tramitz
Ludwig (2019)

304 S.
fest geb.

MedienNr.: 922790
ISBN 978-3-453-28116-5
9783453281165
ca. 20,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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