70/71

Dass der Krieg von 1870/71 einen bedeutenden Wendepunkt in der politischen wie militärischen Entwicklung Europas und darüber hinaus darstellt, erläutert der Historiker Klaus-Jürgen Bremm in diesem breit und sorgfältig recherchierten 70/71 sowie detailliert erarbeiteten Sachbuch. Ausgehend von der Pariser Weltausstellung 1867, bei der sich das französische Kaiserreich ein letztes Mal als Großmacht präsentierte, beschreibt Bremm die diplomatischen Verwicklungen zwischen Frankreich und Deutschland wegen der spanischen Thronfolge, die letztlich durch Bismarcks provokante "Emser Depesche" zur Kriegserklärung des französischen Kaisers Napoleon III. an Preußen führten. Obwohl Bismarck den Krieg provozierte, galt Napoleon III. durch seine Kriegserklärung als Aggressor, der jedoch völlig unvorbereitet in den Krieg stolperte. Waren Preußen und seine Verbündeten logistisch vorbereitet (u.a. allgemeine Wehrpflicht, Aufmarschpläne, Eisenbahntransporte), so mangelte es Frankreich an diplomatischer Unterstützung und militärischer Präsenz. Den Verlauf der kriegerischen Auseinandersetzungen gibt der Autor durch sehr ausführliche Schilderungen des Geschehens auf den Schlachtfeldern (u.a. Metz, Sedan, Orléans) wieder, wogegen er auf kriegsbedingte gesellschaftspolitische Ereignisse (Pariser Kommune), die katastrophale Wirtschaftslage sowie auf patriotisch-nationalistisches Gedankengut in der Bevölkerung nur sehr gestrafft eingeht. - Ein aufschlussreiches Buch.

Inge Hagen

Inge Hagen

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

70/71

70/71

Klaus-Jürgen Bremm
wbg Theiss (2019)

335 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.

MedienNr.: 599803
ISBN 978-3-8062-4019-1
9783806240191
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ge
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