Entschlüsselt

Es klang nach einer wissenschaftlichen Sensation, was die Nachrichten am 6. April 2000 verbreiteten: "Genforscher aus den USA geben bekannt, sie hätten das menschliche Erbgut vollständig entschlüsselt." Diese Meldung weckte Entschlüsselt Hoffnungen auf die Heilung genetisch bedingter Krankheiten, aber auch Ängste vor dem restlos manipulierbaren Menschen. Einer der Hauptvertreter dieser Forschung ist der charismatische Genforscher J. Craig Venter. Dessen private US-Biotechnologiefirma "Celera Genomics" lieferte sich damals einen kuriosen Wettlauf zur Entschlüsselung des menschlichen Genoms mit dem "International Human Genome Sequencing Consortium", welches mit öffentlichen Geldern gefördert wurde. Nun hat Venter (geb. 1946) seine Autobiographie veröffentlicht. Die Stationen seien hier nur kurz umrissen: behütete Kindheit im kalifornischen Nachkriegs-Amerika, schreckliche Erlebnisse als Sanitäter im Vietnam-Krieg und seine wissenschaftliche Karriere mit allen Höhen und Tiefen eines exzentrischen Dickkopfes in der Welt amerikanischer Elite-Institute. Es fällt nicht leicht, diesen J. Craig Venter zu mögen, dazu fehlt ihm die moralische Erdung, die man bei einem Mann seiner Intelligenz vermuten würde. Vielleicht ist er aber auch einfach ein sehr begabtes "Kind seiner Zeit", ein "Opfer der Umstände". Diese Dialektik macht seine Biographie durchaus lesenswert, auch wenn seine Überheblichkeit gelegentlich stört. Größeren Beständen durchaus empfohlen.

Benjamin Haßler

Benjamin Haßler

rezensiert für den Borromäusverein.

Entschlüsselt

Entschlüsselt

J. Craig Venter
S. Fischer (2009)

569, [16] S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 563146
ISBN 978-3-10-087030-8
9783100870308
ca. 24,95 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Na
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