Ganz der Papa

Im 20. Lebensjahr meldet sich der junge französische Autor als Kind eines anonymen Samenspenders zu Wort und relativiert mit Nachdruck jenen Titel gebenden, für ihn nicht zutreffenden Ausspruch, da er nicht weiß, wer sein Vater, Ganz der Papa d.h. sein Erzeuger ist. Kermalvezen schildert diese besondere Familiensituation und wie sehr er darunter litt, zum Objekt für Vergleiche zu werden, die nicht möglich waren, denn dieser Teil seiner genetischen Herkunft bleibt im Dunkeln. In engagierter Form und über die Medien wendet er sich gegen dieses Prinzip der Anonymität - Ärzte und Behörden haben Zugang zur gewünschten Information, dürfen sie aber nicht preisgeben. Mit seinem Verein "Procréation médicalement", einer Initiative von Spenderkindern, will er dafür eintreten, dass sich dies ändert, gleichzeitig die verhängnisvollen Folgen für die Kinder (Identitätskrisen!) thematisieren und eine öffentliche Debatte anregen, "die sich in Zusammenhang mit der Reproduktionsmedizin die richtigen Fragen stellen muss, um sich für Antworten entscheiden zu können, die die Menschen zufriedenstellen." - Kermalvezens Erfahrungspotential sollte einen Prozess des Umdenkens auslösen, nicht nur im Umgang mit den akzeptierten Möglichkeiten medizinischen Fortschritts, sondern generell in deren sorgloser Einforderung. Breite Leseempfehlung zu einem gesellschaftlich brisanten Thema!

Elisabeth Burgis

Elisabeth Burgis

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Ganz der Papa

Ganz der Papa

Arthur Kermalvezen. Unter Mitarb. von Blandine de Dinechin
Patmos (2009)

167 S.
fest geb.

MedienNr.: 308106
ISBN 978-3-491-36021-1
9783491360211
ca. 19,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi, Na
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