Theater für Engel

Zu "leben als ob es Gott gäbe" (!) - diesen Vorschlag des damaligen Kardinals Ratzinger an die "ungläubigen Freunde", beleuchtet Tomás Halík als Lebensmodell nicht nur für Atheisten und Agnostiker, sondern Theater für Engel gerade auch für heutige Christen. Dabei untersucht er den Begriff des Glaubens und führt seine früheren Gedanken (z.B. in "Geduld mit Gott" (BP/mp 11/11) oder "Nicht ohne Hoffnung" (BP/mp 15/7)) weiter. Allenfalls die Engel können unser Leben von höherer Warte aus überblicken und einordnen. Der Mensch ist aufgerufen, Sinn zu finden, indem er die ihm anvertraute Rolle auf der Bühne des Lebens verkörpert und frei gestaltet. Dort will Gott sich in den Akteuren zeigen und verwirklichen. Glauben bedeutet für Halík nicht, "Gewissheiten" zu haben, sondern mit seinem ganzen Leben Antwort zu geben auf ein Angesprochen-Sein, als Christ wie als Nicht-Christ. Die europäische Geistesgeschichte reflektierend fordert er einen Dialog auf Augenhöhe mit Nicht- oder Andersgläubigen zur gegenseitigen Korrektur von Fehlentwicklungen, ohne "naiv gutmütiges (und dabei eigentlich arrogantes) Übersehen der Unterschiede" (S. 152). Schwieriger zu lesen als die oben erwähnten Bücher, daher für ausgebaute Bestände. Erhellend, vertiefend und herausfordernd für Aufgeschlossene und Suchende sowie für theologisch oder pastoral Verantwortliche.

Monika Graf

Monika Graf

rezensiert für den Borromäusverein.

Theater für Engel

Theater für Engel

Tomá? Halík
Herder (2019)

240 S.
fest geb.

MedienNr.: 597216
ISBN 978-3-451-38469-1
9783451384691
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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