Weil wir längst woanders sind
Basil fliegt nach Saudi-Arabien zur Hochzeit seiner Schwester Layla. Er und seine Mutter, die sich geweigert hat, mitzufliegen, begreifen nicht, wie die unabhängige Layla ihr Leben in Hamburg für eine Zukunft im Land ihrer Kindheit aufgeben konnte.
Während der Woche in Jeddah trifft Basil Verwandte und Orte wieder, die er zuletzt vor 20 Jahren gesehen hat. Als seine Eltern Saudi-Arabien verlassen hatten, waren die beiden Kinder noch in der Grundschule. Zwischen den Mahlzeiten mit der großen saudischen Familie, einem Besuch in Mekka und dem Junggesellenabschied in der Wüste hängt Basil seinen Erinnerungen nach: die erste Zeit in Deutschland, der überraschende Tod seines saudischen Vaters, die enge Verbundenheit mit seiner kleinen Schwester, mit der er später eine WG teilte. In der für ihn vertrauten und gleichzeitig fremden Umgebung gibt es wenig Gelegenheit für ausführliche Gespräche mit Layla. Als sie ihm eines Abends am Meer ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit offenbart, beginnt Basil ihre Entscheidung zu verstehen. Als er sie bei der Hochzeit dem Bräutigam Rami übergibt, ist das zugleich auch ein Abschied. - Die u.a. als Übersetzerin tätige Rasha Khayat legt ein kurzweiliges und doch ernst erzähltes Romandebüt vor, das Parallelen zu ihrer eigenen Biografie aufweist und einen Umgang mit der subjektiven Heimatlosigkeit zwischen zwei Kulturen aufzeigt. Ob sich dieser langfristig bewährt, ist nicht mehr Teil dieses Romans. - Überall möglich.
Barbara Sckell
rezensiert für den Borromäusverein.
Weil wir längst woanders sind
Rasha Khayat
DuMont (2016)
187 S.
fest geb.