Super einsam

Vito wurde gerade von seiner Lebensgefährtin Maria verlassen. Sein Wunsch, sich auch Männern zuzuwenden, war vermutlich der Todesstoß für die eigentlich offene Beziehung. Vito ist am Boden zerstört und schafft es kaum, seine Wohnung in Berlin-Kreuzberg Super einsam zu verlassen, um zu einem Job nach Leipzig zu fahren. Das Geld braucht er dringend, denn als Schauspieler und Sprecher hat er kein regelmäßiges Einkommen und muss zudem die Miete künftig allein zahlen. Auf dem Weg zum Bahnhof kann er seiner Stammkneipe nicht widerstehen und sucht dort Zugehörigkeit und Vergessen, sodass erst am nächsten Tag die Fahrt nach Leipzig gelingt. Dort wartet aber schon die nächste Katastrophe und die Rückfahrt gestaltet sich als Horrortrip. Vito muss neuerliche Tiefschläge aushalten. Ein Casting in München ist erfolglos und die Nacht mit einer früheren Bekannten führt nicht wie erträumt zu einer neuen Beziehung. Wird der Inhalt des Koffers, den seine verstorbene Mutter ihm hinterlassen hat, ihm helfen können? Seit Jahren hat er sich geweigert, ihn zu öffnen. – Aus jeder Seite strömt das Hadern Vitos mit sich und seinem Leben. Haltlos und orientierungslos versucht er tapfer, wieder Fuß zu fassen. Das Herantasten, Erinnern und Auseinandersetzen mit den Verlusten seiner Vergangenheit, der Trennung der Eltern, dem Tod des Freundes und schließlich der Mutter setzt der Autor Anton Weil sprachlich kraftvoll und temporeich in Szene. Ruhiger wird die Handlung in den Szenen, in denen die Niedergeschlagenheit überhandnimmt. Rührend ist hier das Selbstgespräch, das Vito mit seinem und Marias Kind, das es nun nie geben wird, führt. – Ein tragikomischer, mitreißender Roman, der tief in die Seele des Protagonisten blicken lässt.

Gabriele Berberich

Gabriele Berberich

rezensiert für den Borromäusverein.

Super einsam

Super einsam

Anton Weil
Kein & Aber (2024)

237 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 619390
ISBN 978-3-03-695042-6
9783036950426
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.