Between the lines
Um auf der Filmakademie angenommen zu werden, müssen künftige Student:innen eine Aufnahmeprüfung absolvieren. Ich-Erzählerin Kali, steht vor allem auf romantische Komödien und kann sehr witzige Szenen schreiben, ist aber ein wenig eingeschüchtert
von der Prüfungsaufgabe für die Drehbuchklasse, für die sie sich bewirbt. Ein Interview mit einem Fremden führen und daraus ein Porträt machen? In 90 Minuten? Alle anderen legen los und sie findet sich erstmal weinend auf der Toilette ein. Glücklicherweise erweist sich aber die Person neben ihr als ziemlich charmanter und hilfsbereiter Regiestudent und im Flirt durch die Toilettenwand wird fix alles geregelt. Soweit der Prolog. Drei Monate später ist Kali natürlich aufgenommen, wohnt in einer WG mit zwei anderen Filmstudentinnen und hat natürlich großes Interesse daran, ihren unbekannten Flirt wiederzutreffen. Das gelingt zwar, aber Rei erweist sich leider nicht als der RomCom-Held, sondern eher als eine ziemliche Katastrophe. Beispiel? Kali spricht ihn freudig an, aber nach ein paar kurzen abweisenden Äußerungen seinerseits, endet er: "Ich muss dann mal los. Bin grad voll busy." "Alles klar", sage ich trocken und mache einen Schritt zurück, um ihm den Weg freizuräumen. "Wir sehen uns." "Mal schauen", erwidert er." Soviel zu Prince Charming im Studienalltag. Das hatte sich Kali anders vorgestellt und auch die Rollenverteilungen der einzelnen Studienfächer verwundert sie. Hier herrscht im wahrsten Sinne des Wortes ein seltsames Klassensystem. Bestimmer:innen sind eindeutig die künftigen Regisseur:innen und Kameraleute. Und der massive Arthousedrang ihrer Mitstudent:innen irritiert Kali auch. Sie liebt Mainstream und eben Romantic Comedies. Sie hat bulgarische Wurzeln, kommt aus einfachen Verhältnissen und ist fast direkt nach dem Abi angenommen worden, hat also kaum Vorwissen. Spätestens als sie mit Rei zusammen einen Film machen soll, steht Kalis Welt Kopf! Spoiler: So eine totale Katastrophe ist Rei doch nicht. Here comes slow burn … – Autorin Anna Dimitrova erzählt einen witzigen und aufschlussreichen Roman über Liebe, Erfolg und den Einstieg ins Drehbuchfach. Sie hat selbst Drehbuch studiert und eine großartige Begabung für Timing und Dialoge und aus ihrem Faible für RomComs macht sie (mittlerweile?) keinen Hehl mehr. Unterhaltsam, lustig und fein beobachtet. Insgesamt sollen drei Teile erscheinen. Für Film- und Buchfans gerne empfohlen.
Anna Winkler-Benders
rezensiert für den Borromäusverein.
Between the lines
Anna Dimitrova
ARCTiS (2026)
Love off script ; 1
350 Seiten : Illustrationen
kt.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 16