Die Spielerin
Anfang der 1990er Jahre entflieht A. der drögen Einöde von Einbeck in Niedersachsen und lernt in Zürich das Handwerk des Investmentbankings. Sie ist ehrgeizig und will unabhängig sein und bleiben. Das Klima des Investmentbankings wird jedoch von
selbstgefälligen Schnöseln beherrscht, die A. nicht wahrnehmen und bestenfalls als Arbeitsbiene sehen. Schnell lernt sie sich diese Unsichtbarkeit zu Nutze zu machen und die Männer durch ihr Wissen und die wachsende Kenntnis der weltweiten Finanzströme zu übertreffen. Geschickt agiert sie im Verborgenen, und dieses Geschick und ihr Ehrgeiz machen sie für die kalabrische Mafia interessant. Sie bleibt bis zum Ende unangreifbar, selbst als sie wegen Geldwäsche vor Gericht landet, schweigt sie beharrlich und ist so unauffällig, dass sie als unbedarfte Handlangerin angesehen und schließlich in die Freiheit entlassen wird. – In diesem Roman kommt die Hauptfigur A. selbst nie zu Wort. Ihr Leben und ihre Taten werden wie in einem großen Zeitungsdossier unpersönlich von anderen erzählt. A. ist nicht greifbar und niemals werden ihre wahren Beweggründe dargestellt. Sie bleibt im Schatten und all ihre Gedanken werden ihr stets nur von Männern in den Mund gelegt. Sprachlich erschafft die Autorin so eine Schattengestalt und doch hat man immer das Gefühl, dass A. alles so geplant und den Sieg und ihre Unabhängigkeit auf ganzer Linie davongetragen hat. Ein spannendes Gedankenspiel.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Spielerin
Isabelle Lehn
S. FISCHER (2024)
270 Seiten
fest geb.