Das Wesen des Lebens
Die nach ihrem Entdecker benannte "Stellersche Seekuh" war die größte ihrer Art, die leider sehr bald nach ihrer Entdeckung durch den Menschen ausgerottet wurde. Dieses Thema greift der Roman der finnischen Autorin Iida Turpeinen auf, die ihre literarische
Arbeit dem Verhältnis von Mensch und Tier, Naturwissenschaft und Literatur widmet. Zur Handlung: Mitte des 18. Jh. nimmt der unkonventionelle deutsche Naturwissenschaftler Georg Wilhelm Steller an der "Großen Nordischen Expedition" Berings im äußersten Nordosten Russlands teil. Während der Forschungsfahrt entdeckt er ein Geschöpf, das ihn auf der Stelle fasziniert: Eine Seekuh, die größte ihrer Familie, die sich als einzige ins Nordpolarmeer zurückgezogen hat. Er beschreibt sie eingehend, muss aber auf der Forschungsreise mit der Mannschaft seines Schiffes ums Überleben kämpfen. Gut 100 Jahre später stößt der finnische Gouverneur Johan Hampus Furuhjelm in Russisch-Alaska auf das Skelett einer der letzten Seekühe dieser Art und bringt sie nach Finnland, wo sich der Naturwissenschaftler Alexander von Nordmann und die junge Zeichnerin Hilda Olson der Erforschung des Tieres und seiner einstigen Lebenswelt widmen. Wieder einhundert Jahre danach bekommt der Ornithologe John Grönwall den Auftrag, das Skelett der Seekuh für eine Ausstellung zu restaurieren. – Auch wenn man zunächst zögern mag, bei diesem recht exotischen Thema zu Turpeinens Buch zu greifen – es lohnt sich: Mit viel erzählerischem Geschick schreibt sie nicht nur einen großartigen Wissenschaftsroman. Ihre Darstellung der oft schonungslosen Eroberung und damit verbunden Ausmerzung der Natur macht einerseits betroffen, die Darstellung, wie in unserer Welt alles mit allem verbunden ist und welchen ungemeinen Wert die Umwelt und deren Erhalt hat, berührt anderseits zutiefst.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Wesen des Lebens
Iida Turpeinen ; aus dem Finnischen von Maximilian Murmann
S.FISCHER (2024)
315 Seiten
fest geb.