Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle
Das Debüt der Bachmannpreisträgerin ist ein mehr als 600 Seiten starker Roman mit einer Fülle an Personal. Die Hauptprotagonisten sind ein Geschwisterpaar. Lada Molot lernt auf einer langen Busfahrt zurück nach Berlin ihren Sitznachbar Mischa kennen,
der sich für einen Humanversuch für Drogen zur Verfügung gestellt hat. Sie selbst hat als Zuverdienst für ihren Onkel, den Oligarchen Boris Bogdanov, gerade ein Paket abgeholt. Auch ihr Bruder Konstantin arbeitet unter der Hand für seinen Patenonkel Boris. Konstantin Molot ist offiziell als Informatiker im „Institut für Biologische Strukturen“ angestellt. Es befindet sich in den Tiefgeschossen unter dem Lenin-Mausoleum und dient im Wesentlichen der Konservierung von Lenins Leichnam. Hier zeigt sich der ganze Irrwitz des Romans. Konstantin ist die interessanteste Figur. Er wirkt eher verpeilt, und über seine oft slapstickartigen Passagen in den kafkaesken Labyrinthgängen des Instituts kann man sich köstlich amüsieren. – Eingestreute Nachrichten über die Söldnertruppe Wagner verorten den Roman in der jüngsten Vergangenheit und melden unter anderem, dass der Präsident mit dem Flugzeug verunglückt sei, Neuwahlen bringen einen zwölfjährigen Akrobaten ins Amt. – Wer sich auf die wahnsinnige Wucht des für den Buchpreis nominierten Romans einlassen will, wird bestens unterhalten. (Nominiert für den Deutschen Buchpreis, Shortlist)
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle
Valeria Gordeev
S. FISCHER (2026)
634 Seiten
fest geb.