Einsamkeit
Einsamkeit ist zu einem präsenten gesellschaftlichen Thema geworden. Fast jeder Mensch fühlt sich zeitweise einsam, rund ein Drittel der Bevölkerung, quer durch alle Bevölkerungsschichten, leidet dauerhaft darunter. Die renommierte Professorin
Maike Luhmann, die zu diesem Thema forscht und lehrt und unter anderem auch die Bundesregierung berät, beginnt ihr Buch mit der Frage danach, was Einsamkeit eigentlich ist und wie sie sich definieren lässt. Das ist gar nicht so einfach, je nach Studie sind z.B. zehn oder sechzig Prozent der Bevölkerung von ihr betroffen. Dabei ist Einsamkeit auch ein ganz individuelles Empfinden, und das macht sie eben auch weniger greifbar. Luhmann durchleuchtet, ob das digitale Zeitalter Einsamkeit verstärkt – ja und nein – und welche Lebensumstände einsam machen können. Dabei führt die "Einsamkeitsspirale" (S. 176 ff.) dazu, dass Betroffene sich immer tiefer in diesem Gefühl verlieren. Einsamkeit verursacht hohe Kosten, denn der Gesellschaft geht dadurch Potenzial verloren und Einsamkeit macht krank. Doch was lässt sich dagegen tun? Die Rezepte, die Luhmann vorschlägt, wirken eher banal: Kontakte mit Gleichgesinnten suchen, Vereinen beitreten, Freundschaften und Bekanntschaften pflegen und dem Thema Raum geben und es nicht wegschweigen. Damit düstere Dystopien nicht Wirklichkeit werden, sollte jede/r etwas dazu beitragen und soziale Netzwerke knüpfen und am Leben erhalten. Ein Überblick über Beratungsangebote und Anlaufstellen rundet das Buch ab. – Luhmann gibt einen wissenschaftlich fundierten und gleichwohl sehr gut auch für Laien lesbaren Überblick über ein wichtiges gesellschaftliches Thema, das alle angeht. Deshalb breit einsetzbar.
Dorothee Rensen
rezensiert für den Borromäusverein.
Einsamkeit
Maike Luhmann
S. FISCHER (2026)
334 Seiten : Illustrationen, Karten
fest geb.