Die außergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf

Frida wächst neben dem Gefängnis von Haarlem auf, das ihr Vater Timofey leitet. Timofey entspricht nicht dem Bild eines souveränen Direktors: Er trinkt zu viel, raucht, verliert sich in literarischen Zitaten und scheint mit beiden Rollen – Vater Die außergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf und Gefängnisdirektor – überfordert. Gleichzeitig versucht er, Frida zu einer widerstandsfähigen jungen Frau zu erziehen, schießt aber methodisch deutlich über das Ziel hinaus. Fridas Mutter ist renommierte Kinderpsychiaterin und ständig auf Kongressen unterwegs. Zuhause widmet sie sich einem verhaltensgestörten Mädchen, auf das Frida rasend eifersüchtig ist. Frida täuscht deshalb Zwangsneurosen vor und platziert Bücher über Suizid auf ihrem Nachttisch. Ein tragischer Unfall bringt das fragile Gleichgewicht der Familie zum Kippen. Es ist Frida, die alles zusammenhält. Mit Humor und Eigensinn sucht sie einen Weg aus dem elterlichen Chaos. Auf der Suche nach dem eigenen Ich muss sie den emotionalen Ballast ihrer Eltern hinter sich lassen. – Dieser Roman ist melancholisch, unglaublich komisch und doch so tragisch. Mit leichter, virtuoser Feder beschreibt Maria Kager Themen wie Alkoholsucht und Vernachlässigung des eigenen Kindes. Der ungewöhnliche Coming-of-Age-Roman öffnet den Blick des Lesenden für die unbeschreiblich großen emotionalen und intellektuellen Dimensionen der Protagonisten, die stetig ihren Platz suchen, immer ein bisschen einsam und abseits der Norm. Sehr gerne empfohlen.

Silvia Eilers

Silvia Eilers

rezensiert für den Borromäusverein.

Die außergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf

Die außergewöhnlich gelungene Erziehung der Frida Wolf

Maria Kager ; aus dem Niederländischen von Lisa Mensing
S. FISCHER (2026)

378 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 626484
ISBN 978-3-10-397777-6
9783103977776
ca. 26,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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