Martin Luther
Gleich zu Beginn betont Kirchengeschichte-Professor Ulrich Köpf seinen Verzicht "auf gewagte Hypothesen und bloße Vermutungen". Er stellt Luther ganz nüchtern und ohne Verteidigung oder Verherrlichung aktuell, gut verständlich und leicht lesbar
vor - ein Mensch in seiner Zeit mit viel Mut und Scharfsinn, aber auch mit Abhängigkeiten und Schwächen. Köpf lässt den Reformator auch möglichst oft selbst zu Wort kommen. Von Luther existieren so viele schriftliche Zeugnisse wie von kaum einem aus seiner Zeit: Die 1883 begonnene und 2009 abgeschlossene kritische Weimarer (Gesamt-)Ausgabe seiner Werke umfasst ganze 84 Bände - eine wahrhaft riesige Fundgrube mit über 2000 Predigten, vielen Vorlesungen, Gutachten, Briefwechsel, Reden. - Die 38 informativen Kapitel führen den Leser vom Geburtsjahr 1483 zu Jugendzeit, Eintritt ins Kloster 1505, Studium, Romreise und Professur in Wittenberg, dann 1517 zu den berühmten 95 Thesen; in Folge erträgt Luther den römischen Prozess, behauptet sich 1521 auf dem Reichstag zu Worms, lebt in kurzer Verbannung erfolgreich weiterarbeitend ... Wieder in Wittenberg hält er wie früher seine Vorlesungen, er ordnet den Gottesdienst neu und engagiert sich auch entschieden in der Glaubensdiskussion bezüglich Türken und Juden. Die Heirat mit Katharina von Bora 1525 beendet sein Mönchsleben. Luther ist nach wie vor immer aktiv und wirkt auch weiter an der Universität Wittenberg. Reichlich Literaturhinweise und ein Register runden dieses Buch ab, das unter den am Thema Interessierten viele Freunde finden wird. Sehr empfehlenswert.
Gertraud Roth
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Martin Luther
Ulrich Köpf
Reclam (2015)
254 S.
fest geb.