Tau
Im Auftrag Professor Lavies macht sich ein junger Schreiber auf den Weg ins Gebirgsdorf Weng, wo er sich im Haus seines Großvaters einquartiert. Im einstigen Gasthaus seiner Großeltern wohnte der Autor Thomas Bernhard Anfang der 60er Jahre, während
er seinen skandalträchtigen Roman "Frost" schrieb. In ihm werden Weng und seine Bewohner düster und bedrohlich geschildert. Ebenso wie in "Frost" schildert der Protagonist seine Gespräche, Beobachtungen und Erlebnisse in 27-tägigen Aufzeichnungen. Er erfährt, dass diese Zeit und die Folgen der Buchveröffentlichung den Menschen nicht nur positiv in Erinnerung geblieben sind. In dem Maße wie der Erzähler dem Autor nachspürt, das Leben der Einheimischen erlebt und an seine Kindheit erinnert wird, wird ihm bewusst, wie sehr er selbst auf der Suche nach einem Lebenssinn ist. - Dieser Roman nimmt massiv Bezug auf die literarische Vorlage. Darüber hinaus werden der Verlust von Glaube, Heimat und Identität angesprochen. Themen, die in den Werken Thomas Bernhards bedeutend waren. Deshalb wäre es für den Leser von Vorteil, wenn auch nicht zwingend notwendig, davon Kenntnis zu haben. Auch verlangt manch längerer Monolog höhere Konzentration. Für größere Bestände geeignet.
Kathrin Wexberg/STUBE
rezensiert für den Borromäusverein.
Tau
Thomas Mulitzer
Kremayr & Scheriau (2017)
283 S.
fest geb.