fundamentalös
Nadia hat privat Schiffbruch erlitten: Ihre Partnerin Rosy hat ihr den Laufpass gegeben. Frustriert nimmt Nadia einen Job bei der UN an: Im Irak soll sie IS-Frauen deradikalisieren. In der Welt der UN-Hilfsorganisationen mit ihren ganz eigenen Gesetzen
findet sie sich so gar nicht zurecht und lässt kein Fettnäpfchen aus. Dann stößt sie in einem Camp auf die junge Sara, die aus England stammt und sich dem IS angeschlossen hat. Die sperrige junge Frau fasziniert Nadia irgendwie, und sie möchte Sara aus ihrer misslichen Situation befreien, sie nach England bringen und wieder in ihr altes Leben integrieren. Doch bis dahin ist es ein langer, steiniger Weg, und Nadia steht mehr als einmal vorm Scheitern. – Mit viel Humor und einem rotzig-frechen Stil, der den Leser ab den ersten Seiten fesselt, nimmt Autorin Nussaibah Younis alles Mögliche aufs Korn: die komplizierte und oft widersprüchliche Welt der UN, den Islamismus, zwischenmenschliche Beziehungen, die absurden Widrigkeiten des täglichen Lebens. So respektlos und überzogen Younis auch schreibt, ihr Debütroman ist bei aller Ironie und schrägem Humor auch ordentliche Gesellschaftskritik. – Allen Beständen zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
fundamentalös
Nussaibah Younis ; aus dem Englischen von Jasmin Humburg
Unionsverlag (2026)
375 Seiten
fest geb.