Die Villa der Architektin
Plautilla Bricci, 1616 im barocken Rom geboren, wächst in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater, ein Maler, Schriftsteller und vor allem Lebenskünstler, hält seine Familie gerade über Wasser. Er erkennt aber die Begabung seiner Tochter und unterrichtet
sie in allen lebenswichtigen Fähigkeiten. Plautilla nimmt ihr Leben selbst in die Hand gegen die Widerstände der damaligen Zeit. So lässt sie sich nicht auf die häuslichen Pflichten der Frauen reduzieren, sondern kämpft gegen die von Männern, vor allem der Kurie, dominierte Künstlergesellschaft. Sie kämpft gegen Intrigen, Betrügereien, Korruption und Vetternwirtschaft, muss aber immer wieder selbst erfahren, dass ihre eigene Leistung nicht anerkannt bzw. unter dem Namen ihres Bruders bekannt wird. So ist sie auch auf ihren Geliebten Abt Elpidio Benedetti angewiesen, um ihr architektonisches Hauptwerk, die Villa Benedetta, zu verwirklichen. – Die Autorin Melania G. Mazzucco, die sich intensiv mit dem Leben in Rom im 17. Jh. beschäftigte, lässt in historischer Detailfülle die Zeit Plautillas lebendig werden. Durch ausführliche Schilderungen des Alltags, der römischen Gesellschaft und der zahlreichen barocken Bauwerke wirkt der Roman etwas unübersichtlich. Wer sich für Kunstgeschichte, das barocke Rom und starke Frauenfiguren interessiert, findet hier eine ungewöhnliche und informative Lektüre.
Elisabeth Kemper
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Villa der Architektin
Melania G. Mazzucco ; aus dem Italienischen von Karin Fleischhanderl
Unionsverlag (2026)
460 Seiten
kt.