Obacht!
Eines Tages liegt ein großes Tier in der Stadt und versperrt den Weg. Die erwachsenen Bewohner sind beunruhigt. Obacht! Sie decken es zunächst ab, bauen dann eine Straße herum und errichten in schildbürgerhafter Manier gar eine Brücke darüber.
Einzig das kleine Mienchen will erst einmal mit dem Tier sprechen und lässt sich nicht von der Panikmache der Erwachsenen anstecken. Während schon über einen Tunnel oder einen Käfig oder gar einen Ballon zum Abtransport des Tieres debattiert wird, huscht Mienchen mutig unter die Decke und bittet das Tier freundlichst, woanders weiterzuschlafen. Auf dem Rücken des einem Waschbär ähnelnden Tieres führt Mienchen es goldig zu seinem neuen Schlafplatz. Schlussendlich feiern alle das Kind für seinen Mut. – Die dezente, zweifarbige Gestaltung in schwarz und orange, die Namen der Bewohner und wie sie illustriert sind, machen die Geschichte zeitlos. Sie zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit dem Unbekannten umgehen: mit Angst und Vorurteilen oder mit Neugier und Freundlichkeit, unvoreingenommen wie Kinder. Kinder können sich mit dem klugen und mutigen Kind identifizieren und Erwachsene nehmen sich im besten Fall ein Beispiel an ihm. Mithilfe des pädagogischen Begleitmaterials für die Grundschule lernen Kinder den Umgang mit Gefühlen wie Angst vor unbekannten Situationen. – Eine wunderbare Ermutigung für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, miteinander zu reden und einfach offen wie Mienchen auf das Unbekannte zuzugehen und mit ihm Bekanntschaft zu machen.
Melanie Schubert
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Obacht!
Kerstin Hau ; Illustratorin: Stella Dreis
NordSüd (2026)
[40] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 4