Swan Song
Charles Spencer, wie er selbst sich bescheiden nennt, legt mit „Swan-Song“ eine Biografie seiner Schwester Diana vor, mit besonderem Blick auf die Tage um ihren Tod sowie die Beerdigung. Als „Rahmenhandlung“ dient ihm die Entstehung seiner
vielbeachteten Rede beim Trauergottesdienst für Lady Di in der Westminster-Abbey. Hier nahm er hinsichtlich der Todesumstände nicht nur die Presse ins Visier, sondern kritisierte subtil auch die Königliche Familie. Aber auch bei den Spencers war nicht alles positiv: Scheidung der Eltern, Umzug vom „Nest einer unbeschwerten Kindheit“ in Park House ins Althorp House, dort eine ungeliebte Stiefmutter, Internatsaufenthalte usw. Ja, auch das scheinbar privilegierte Leben einer englischen Adelsfamilie kann hart sein und seine Spuren hinterlassen. Man nimmt Charles Spencer ab, dass er, als einziger (überlebender) Bruder – John, der Erstgeborene, lebte nur wenige Stunden – eine gute Beziehung zu seinen Schwestern Diana, Sarah und Jane pflegte, wenn er auch Streitigkeiten einräumt, was allenthalben wohl normal ist. Der Earl of Spencer legt sein Augenmerk aber nicht nur auf Diana, sondern auch auf die Beziehung innerhalb der Geschwister, zum geliebten Vater John Spencer, der im Alter von 68 Jahren verstarb, und der leiblichen Mutter Frances. An der Stiefmutter Raine lässt er kein gutes Haar. Wer aber eine Abrechnung mit der Königsfamilie erwartet hat, sieht sich enttäuscht. Natürlich wird hier und da Kritik laut, aber im Großen und Ganzen kommen die Windsors, wenigstens jene, die überhaupt erwähnt werden, relativ gut weg. So wie in seiner vielbeachteten Trauerrede, kann man vieles zwischen den Zeilen lesen. – Die Publikation dürfte selbstredend ihre Leser finden. Sie ist aber auch gut gemacht mit Aufnahmen aus dem Familienalbum, in einem angenehmen Stil geschrieben und durchaus zu empfehlen!
Sabine Tischhöfer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Swan Song
Charles Spencer ; aus dem Englischen von Renate Großtat [und 3 weitere]
Penguin Verlag (2026)
381, [16] Seiten : Illustrationen (farbig)
fest geb.