Zwei Unbelehrbare reden über Deutschland und ein bisschen über sich selbst
Gregor Gysi und Peter Michael Diestel führen unter der Leitung von Hans-Dieter Schütt ein Gespräch über die deutsche Politik und persönliche Prägungen. Dass dabei ein konservativer Ex-Innenminister der ersten und einzigen frei gewählten DDR-Regierung
und ein bekannter Linken-Politiker aufeinandertreffen, ist nur stellenweise zu spüren. Zu stark ist offensichtlich das Verbindende: gute persönliche Beziehungen und eine ostdeutsche Herkunft. Gysi und Diestel sprechen Fehler an, die bei der Wiedervereinigung gemacht wurden sowie die Auswirkungen der Veränderungen auf ostdeutsche Biografien. Während des Gesprächs erfährt man auch viel über die persönlichen Werdegänge der beiden Männer sowie über die Unterschiede, mit denen sie auf politische Entwicklungen blicken. Einen größeren Raum nimmt auch das Thema Deutsche Einheit ein. Da sowohl Diestel als auch Gysi in führenden Positionen an den Entwicklungen beteiligt waren, gibt es eine Reihe von Einblicken in das, was hinter den Kulissen ablief. Die Unsicherheit bei vielen Beteiligten im Osten, die nötigen Improvisationen. Es ist der Publizist und Autor Schütt, der während der Diskussionen am deutlichsten auf die Verbrechen des DDR-Regimes eingeht. Vor allem Gysi bleibt in diesem Punkt, womöglich mit Blick auf seine politische Rolle, gern im Allgemeinen. – Interessant und unterhaltsam.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Zwei Unbelehrbare reden über Deutschland und ein bisschen über sich selbst
Peter-Michael Diestel, Gregor Gysi ; im Gespräch mit Hans-Dieter Schütt
aufbau (2025)
287 Seiten
fest geb.